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29. Juli 2019

Ende Juli ist O-Ringen-Zeit. Dann schlägt das Herz der Orientierungslauf-Welt irgendwo in Schweden, wie ein Magnet. Denn O-Ringen zieht an. Wie ein Magnet. O-Ringen ist der größte und bekannteste aller großen und bekannten 5-Tage-Läufe. Seit 1965. Damals mit 165 Läuferinnen und Läufern. Heuer waren es von 21. bis 27. Juli in Norrköping über 21.000, darunter Claudia, Peter, Jannis & Erik, Riki, Willi, Tina & Rita, Ferri, Anika & Jassi, Babsi, Boris, Nico, Ylvi & Maya, Wolfgang, Lauri & Annina sowie Flo, Clemens & Jakob. Auch für uns wurde keine Ausnahme gemacht, für die selbstbewussten Schweden ist ihr Land auch das Sprachzentrum der OL-Welt. Es wird also vor allem schwedisch gesprochen. Und so begrüßte man uns mit einem Varm välkommen till O-Ringen.

Schon neben der Autobahn wird für O-Ringen geworben: Upplev Äventuret, Erlebe das Abenteuer lesen wir auf großen Plakatwänden. Ja, das machen wir ! In Norrköping angekommen, steuern wir Sportområdet an. Im großzügigen Sportzentrum gibt es Fußball- und Leichtathletikstadion, Curlinghalle, Reitsportzentrum, Skaterpark, Parcouranlage und mehr. In der Eishalle befindet sich das Deltagarservice. Dorthin führt uns unser erster Weg, denn hier im Wettkampfzentrum nennt man seinen Namen und bekommt die Nummerlappar ausgedruckt. Auf der Startnummer stehen nicht nur Name, Kategorie und Verein, sondern auch die Startzeiten, der Name des Starts (es gibt jeden Tag 8 verschiedene) und die Entfernung zum Start. Hier liegt auch die Programm-Tidningen auf. Die Zeitung zum Event umfasst 95 großformatig-bunte Seiten, alle schwedisch ge- und bedruckt. Englisch wird überbewertet. Gleich neben der Eishalle wurde das große Bandy-Spielfeld zu O-Ringen-Torget umgestaltet. Eine große Zeltstadt bietet Verpflegung, Einkaufsmöglichkeiten und Tourismustips, Sponsoren und Partner präsentieren sich, außerdem gibt es Spielmöglichkeiten, einen Waschsalon, das O-Labyrinth und Informationen über die kommenden O-Ringen-Destinationen. In einem weiteren Zelt wird auf 101,5 Mhz gesendet, direkt aus dem Studio von O-Ringen-Radio. Und zu 95% in schwedisch. Egal, in welche Richtung man spaziert, wird schnell die Größe von O-Ringenstaden med Camping klar. Auf den umliegenden und riesigen Wiesen gibt es fast 2.500 Campingparzellen in 18 (!!) Sektoren. Claudia & Peter stehen mit ihrem Wohnmobil im Bereich R, die Jugend zeltet in E. Da hat man miteinander keine Nachbarschaftsprobleme. Mittendurch windet sich der erfrischende Motala Ström auf seinem Weg durch Norrköping.

Jeden Tag besteigen wir die Etappbussar. Konvois, die jeweils aus 5 Bussen bestehen, und auf die man auch mal 20-25 Minuten warten muss, bringen uns zu den Arenen Grosvad (Etappe 1 und 2) und Yxbacken (Etappe 3-5). Es sind 5-Sterne-Zieleinläufe mit allen (teilweise auch kostenpflichtigen) Extras: Wer Barnpassning ansteuert, will, dass auf seine Kinder aufgepasst wird. O-Action wird den lieben Kleinen bei Miniknat geboten. Einer Schnur folgend, geht es ins Gelände, von Posten zu Posten. Dazwischen warten „Aufgaben“ wie abseilen, klettern oder tanzen. Vielleicht sollte man auch die Orienteringsskola besuchen. Im Sjukvård der Arena jedenfalls wird Erste Hilfe angeboten, auch ein Röntgengerät steht bereit. Und im Zelt mit der Aufschrift TBE-vaccinering kann man sich „zeckenimpfen“ lassen. Alles ist genau geregelt: wo man sein Tält aufstellen darf, wo man darf, wo nur ein sitt – Bereich ist und wo die Klubbvimplar im Wind flattern und den Platz des eigenen Vereines markieren dürfen. Wir lagern meist im Bereich des Sista Kontroll. Vom letzten Posten haben wir einen guten Blick auf den Zieleinlauf mit seinen 8 Spuren. Jeden Tag beschließt eine Blomsterceremonie das Rennen der mit Welt- und EuropameisterInnen top besetzten Elitekategorie. Die meisten Blumen bekommt Superstar Tove Alexandersson. Die 26-jährige ist die världens bästa Orienteringslöpare, beliebte Werbeträgerin und hat in Schweden Sporthalbgöttinnen-Status. Sie gewinnt alle 5 Etappen, ist vielleicht Blumenliebhaberin. Und läuft also auch als Siegerin in die Arena Yxbacken ein, die am Fuß des gleichnamigen Schlepplifthanges liegt. Hier hat ein anderer blau-gelber Star seine Karriere begonnen: Skifahrerin Pernilla Wiberg. Irgendwo am Rand der Arena befindet sich das dusch – Paradies. Frisches Wasser an der frischen Luft, aber blickdicht. 

Zuerst wird aber gelaufen, dann erst geduscht. Wobei: zuerst wird gegangen. Und gelesen: Du hår gott 500m, Du hår gott 1000m,.. Bis zu 3.000m sind wir zum Start gegangen. Jeden Tag wird die Hitze größer. Der Hinweis Nästa vätska 600m bringt Freude auf, und das Wissen, dass es in 600m wieder eine Station mit Wasser gibt. Und Wasser ist wichtig, vor, während und nach dem Lauf. Denn wie wir aus der Beschreibung von Banor och tävvlingsterräng gelernt haben, sind die Bahnen anspruchsvoll und das Gelände abwechslungsreich, physisch fordernd, oftmals zerklüftet und detailliert. Drei Minuten vor dem Start betreten wir die erste Box und man wünscht uns Lycka till. Das können wir brauchen. Viel Glück! Wir stecken die Kontrollbeskrivnigar in die Postenbeschreibungshalterung und lernen die ersten Nummern und Objekte. Atmen durch, da wir wissen för de längre banorna, i vildmarksterräng. Aber genau das wollen wir ja, in die Wildnis. Auch wenn manche manchmal o-technisch überfordert sind.. Oder andere von der Wildnis überrascht und fast überrannt werden. Ist das der Fall, gibt es im Ziel die Möglichkeit zum Viltrapport. Ylvi kann eine Aug-in-Aug-Begegnung mit einem flotten Elch melden.

Von so einem Schreck darf man sich am Ruhetag erholen. Etwa mit einem Spaziergang über die vielen Brücken und Stege im Zentrum von Norrköping mit seinen vielen, wunderschön revitalisierten alten Textilfabriksgebäuden. Oder einer von der Polizei gestörten Waldparty. Und sonst ? Prova på MTB-cykling denkt sich Boris und probiert  eine der fünf MTBO-Etappen aus. Nico versucht sich im   Hagagymnasiet beim allerersten und sehr coolen O-ringen-Indoor-Lauf in den 4 Stockwerken dieses Gymnasiums. Man kann aber auch kostenlos im nahen Himmelstalunsbadet schwimmen oder, gleich daneben, die Hällristnings bewundern. Die über 1700 in den Fels geritzten Bilder von Schiffen, Jägern & Tieren sind über 3.000 Jahre alt. 

Viel Programm. Viel Action. Viel Spaß. Irgendwann biegen wir zum letzten mal auf die Zielgerade ein. Nach dem Auslesen wollen wir die Wörter Ej godkänd auf unserem Zeitstreifen nicht sehen. Fehlstempel. Gott sei Dank, alles ist gut. Manches sogar sehr gut: Mit einer Top-Leistung auf der vierten Etappe erläuft sich Tina [D20] einen Platz bei der Prisutdelning. In den Genuss der Preisausteilung kommen jeden Tag ab 18 Uhr alle Etappensieger auf der großen Bühne am O-Ringen-Torget. Gewonnen und gejubelt wird international, gesprochen und (vom Moderator) gesungen wird nur schwedisch. Ein Etappensieg ohne Preisverleihung gelingt Maya [D18], sie gewinnt am Schlusstag. Die letzte Etappe wird als Jakkstart durchgeführt. Maya startet als 11. und verbessert sich mit der schnellsten Zeit des Tages noch auf Platz 7, geehrt wird am Schlusstag aber nur die Gesamtsiegerin. Immerhin kann sich die Gesamtzweite Tina einen kleinen priser abholen.

O-Ringen 2019 ist zu Ende. Eine Woche lang haben wir das heurige Motto umgesetzt: Upplev Äventuret.  Wir haben Abenteuer erlebt. Definitiv, gamla svensken !. (retla edewhcs) 

Fotos

Ergebnisse

 

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