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Der Bericht über den MTBO-Saisonauftakt in Ungarn am 14. und 15. April endete mit folgenden Worten: [Zitat Anfang]..der Austria Cup wird schon am 28. und 29. April 2018 in der (und um die) Kaserne Wals-Siezenheim fortgesetzt. Mit drei Rennen in zwei Tagen. Für zwei Sprints und eine Mitteldistanz nach Salzburg zu fahren, das zahlt sich aus..[Zitat Ende]. Mit der Weisheit und den Erkenntnissen, die ich als Autor dieser Zeilen am angesprochenen Austria Cup-Wochenende #2 zu einem großen (gatschigen) Hügel angehäuft habe, würde ich dieses Zitat so nicht mehr unterschreiben. Von wegen „zahlt sich aus“.  Für mich nicht.

Aber was soll schließlich dabei herauskommen, wenn man freiwillig (und voller Vorfreude) quasi zum SamSon einrückt. (Der SamSon, liebe Zivildiener, Frauen, Untaugliche und Wehrdienstverweigerer, ist der bei Grundwehrdienern „äußerst beliebte“ Samstag-Sonntag-Dienst in der ebenso gemütlichen wie oft verwaisten Kaserne). Unser Wochenend-Dienst begann mit der österreichischen Sprint-Meisterschaft. Rund 400 Gebäude stehen in der größten Kaserne Österreichs im durcheinandergeratenen Schachbrettmuster herum. Länglich. Quadratisch. Klein. Groß. Symmetrisch. Ungeordnet. Dazwischen, sowie davor, dahinter und daneben Straßen und Plätze, Wiesen und Waldstücke, Gassen und Wege. Meistens asphaltiert, immer wieder auch geschottert. Und dann ist da noch das Panzer- und Geländefahrzeugübungsgelände. Rund um einen steilen Hügel gibt es ein kleines, sehr feines Wegelabyrinth. Meistens geschottert oder „geerdet“, immer wieder auch geflutet. Das größte Problem waren aber die vielen Gehsteigkanten, die es zu überwinden galt. Dem im Renntempo herannahenden Biker boten sich drei Möglichkeiten: Geschwindigkeitsreduktion bis hin zum Absteigen (und Heben des Rades auf den Gehsteig), der Bunny Hop (der Sprung auf den Gehsteig), und die 3. Möglichkeit: volles Risiko und volles Gas. Und so gab es viele Defekte, viele mit „Durchschlag“ durchlöcherte Schläuche, viele ihr Fahrrad ins Wettkampfzentrum schiebende Sportler. Der herrschende Kasernenton war meist das zischende Geräusch entweichender Luft. Für die 5 Naturfreunde brachte der Tag trotz des flachen Geländes Höhen und Tiefen: Maya [D15-17] gewann trotz eines Sturzes auf die Hüfte Silber, Babsi [D40-] radelte zu Bronze und verpasste dabei Platz 2 nur um genau so viele Sekunden, Christine fuhr auf Platz 6. Bei den Herren holte sich der Defektteufel sowohl Nico [H18-20] als auch Boris [H40-].  

Was der Soldat nicht kann, das übt er. Und so übten wir: Zunächst das Beheben von Pannen und Defekten, dann das Wechseln von Reifen und Schläuchen, anschließend das Radfahren und Orientieren im selben Areal wie am Vormittag. Denn auch das zweite Rennen fand zur Gänze in der militarisierten Zone statt. Die Schwarzenbergkaserne bietet ideale Voraussetzungen für zwei Sprint-Entscheidungen innerhalb weniger Stunden, sie ist mit ihrer Größe von 2,5 km2 sogar eine eigene Ortschaft der Gemeinde Wals-Siezenheim mit 10 offiziellen Einwohnern [Stand: Volkszählung 2015]. Fast alles war neu: der Start, das Ziel, die Bahnanlage und Routenwahlen. Nur das Defektrisiko war das gleiche. Ebenso das Sturzrisiko.

Vor allem dort, wo üblicherweise Panzerbesatzungen mit ihren Fahrzeugen im Dreck spielen, aber möglicherweise wird in diesem Bereich der Kaserne auch die Ausbildung zum Bundesheer-Kampftaucher durchgeführt. Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels und der Regenfälle in den vergangenen Tagen hatten sich in den Senken des Übungsgeländes beeindruckende Wasserlandschaften gebildet. Dummerweise ständig auf dem Weg zum nächsten Posten. Links vorbei? Oder rechts? Oder mitten durch? Welche Möglichkeit die beste ist, war mir nicht immer klar. Klar war hingegen: Stille braune Wasser sind tief. Und extrem schlammig.  Es kam also, wie es kommen musste. Und das gleich zweimal. Hinein ins Wasser, fast bis zum Knie versunken, steckengeblieben, gestürzt. Die südlichen Bereiche meines Körpers und des Mountainbikes waren fast bis zum Äquator mit einer dicken, zähen Schlammschicht überzogen. Es war so eine (ganz andere) Art nahtloser Bräune. Genau so muss sich eine Erdbeere anfühlen, die ins Schoko-Fondue eintaucht. Die erste gute Nachricht: es ist niemand ertrunken. Die zweite gute Nachricht: Alle anderen fuhren sturzfreie und gute Rennen: Maya [D15-17] wurde Erste, Nico [H18-20] trennten als Zweiter nur 7 Sekunden vom Sieg. Babsi und Christine [D40-] sprinteten als 3. und 5. ins Ziel. Ich schleppte mich und das Übergepäck aus Gatsch als 5. zurück.  

In Abwandlung der beliebten Bundesheer-Leitlinie für Rekruten „Alles was sich bewegt, grüßen und alles, was sich nicht bewegt, putzen“ waren wir nach dem Rennen mit „Alles, was sich bewegt, putzen“ beschäftigt: Ketten, Zahnkränze, Schaltungen, Bremsscheiben, Dämpfer, einfach das ganze Mountainbike. Hätte ich meines nach den beiden Stürzen in den Schlamm ungereinigt stehen gelassen, wäre es durchaus als mumifiziertes Fahrzeug der Terrakotta-Armee durchgegangen.

Auch am Sonntag war das Wetter für einen Radausflug bestens geeignet und so wurden wir 4-5 Posten nach dem Start in die zivile Wildbahn entlassen. Das 3. Rennen des Wochenendes war ein schöner Mitteldistanz-Bewerb, der uns aus der Kaserne in die Saalach-Auen mit ihren vielen Wegen und teilweise befahrbaren Wiesen sowie dann wieder zurück in die Kaserne brachte. Dass Helmpflicht herrschte, war obligatorisch. Auf Bundesheer-Grund ja praktisch im doppelten Sinn. Rennentscheidender war allerdings, was sich unter dem Helm tat. Das hohe Tempo forderte den Körper, die hohe Postenanzahl forderte das Hirn. Ist es dann schon Überforderung, wenn man(n) bei 45 Posten 1 Posten falsch stempelt? Ganz sicher ist es die Disqualifikation. Besser, viel besser fuhr Nico [H18-20], der Zweiter wurde. Maya [D15-17] fehlten 7 Sekunden auf Platz 1. Für Babsi und Christine [D40-] endete das zweite MTBO-Austria Cup-Wochenende auf den Plätzen drei und sechs.

Trotz allem hat das Fahren viel Spaß gemacht. Die Bahnen waren abwechslungsreich. Die Rennen waren spannend und die Wettkampferlebnisse waren außergewöhnlich. Die Einen waren zufrieden, die anderen enttäuscht. Meine Bilanz nach drei Rennen ohne vernünftiges Ergebnis darf (vor allem hier) in der Schwarzenbergkaserne sicher so zusammengefasst werden: Unter aller Kanone.