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Ein OL-Abenteuer extrem,

Nach langer Suche ist Ferri auf mich zugekommen und meinte ob ich nicht mit ihm an einem 24h OL teilnehmen wolle. Nach kurzer Überlegung (ca.1min) sagte ich zu und wenige Tage später waren danke Ferri die Flüge auch schon gebucht. Also gab’s kein zurück mehr.
Nach einigen Trainingsläufen über je ca.3-4 Stunden zur Vorbereitung geht es am Freitag den 25.01.2013 los. Im Handgepäck die wichtigsten Laufutensilien, im Großgepäck Nahrungsergänzungsmittel mit mehr als 6000 Kilokalorien. (Mehr kann der Körper in 24 Std. nicht wirklich aufnehmen) Nach einem gemütlichen Nachmittag in Barcelona kommen wir gegen 19h in La Llacuna, einem kleinen Bergdorf eine Autostunde von Barcelona entfernt an. Perfekte Vorbereitung haben wir mit einem traditionellen Abendmenü im Hotel.

Der Morgen des Starttages beginnt mit einem enttäuschenden Blick aus dem Fenster: Nebel, Regen und gerade einmal +2°C, das braucht man wirklich nicht bei einem 24h Lauftag. Gott sei Dank behält der Wetterbericht aber Recht und es wird bis zu Mittag noch ein schöner Frühlingstag.

 

Nach der Anmeldung bekommen wir kurz vor 10h die Karten und wir beginnen die 2 stündige Planungsphase voll Motivation und Vorfreunde. 63 Posten auf einem A2-Plakat im Maßstab 1:25.000, was einem Gebiet von 165 km² oder der Fläche von 27 Stk. OL-Karten im Maßstab 1:10.000 im A4-Foramt entspricht.

Wo fängt man da am Besten an? Wie bei jedem OL beim Startdreieck! Dank Ferris Erfahrungen von bereits zwei Rogaining-Weltmeisterschaften, die er mit Peter vor 4 bzw. 10 Jahren absolviert hat, hat er schnell eine „beste“ Route für uns ausgemessen und eingezeichnet. Noch einmal den idealen Jack-Wolfskin-Lauf-Rucksack kontrollieren, damit auch alles eingepackt ist und dann Abmarsch zum Startbereich ins Zentrum von La LLacuna. (Es gibt vom Veranstalter vorgegebene Mindestausrüstung, wie Rettungsdecke und Notfallhandy – ohne GPS!) Mit ca.350 anderen „Extrem“-Läufern warten wir auf den Startcountdown bis zum 12h-Glockenschlag der Kirchenglocke.

3, 2, 1, LOS

Gleich zu Beginn führen wir einen Teil der Starter durch den Ort an zum Fuß der ersten nahegelegenen Bergkette. Am Weg zum ersten Posten machen wir gleich Bekanntschaft mit dem spanischen Bewuchs. Es sollte sich schnell herausstellen, dass es nahezu unmöglich ist in diesen Wäldern quer zu laufen. Nach einer gefühlten Ewigkeit durch dichteste Vegetation haben wir auf einem Felsen den ersten Posten unseres Abenteuers gefunden. Lernfähig wie wir sind schnell zum nächstgelegenen Weg laufen und weiter hinauf bis wir nach gesamt 220Hm den Rücken des Bergkette erreichen. (Flach ist das Laufgebiet ca. 50 km westlich von Barcelona wahrlich nicht.) Der 2.te Posten war dann schnell gefunden. Allerdings mussten wir unseren 3.ten geplanten Posten auslassen, da dieser nur durch einen Abstecher durch dichteste spanische Macchia 70Hm hinunter und zurück erreichbar gewesen wäre, was uns doch abschreckte. (Die Karte hat keinen Grüneindruck, wodurch die Belaufbarkeit vorab nicht erkennbar bzw. planbar ist.) Die nächsten Posten gehen uns dann leicht von der Hand bzw. vom Fuß. Um Kraft und Energie zu sparen haben wir schon vor dem Start beschlossen alle Bergaufstücke zu gehen. Ich muss mich regelrecht zwingen immer wieder einen Energieriegel bzw. Gel zu essen, um genügend Kraft für die verbleibenden 20 Stunden zu haben. Nach sechs Stunden, knapp vor 18h machen wir eine erste größere Pause um etwas „Salziges“ zu essen. Auch in diesem Punkt hatte Ferri mit seiner Rogaining-Erfahrung Recht: mir hat ein Brot mit Cabanossi und Senf noch nie so gut geschmeckt. Mit der untergehenden Sonne im Rücken brechen wir wieder auf um nochmals 6h bis zur geplanten Halbzeitpause ins Wettkampfzentrum zurückzukehren. Es ist dann nochmals ein besonderer Moment als wir unsere Stirnlampen herauskramen und wissen wir werden diese erst wieder in ca.14 Stunden einpacken können. Nachdem wir gegen Mitternacht unsere ersten Tiefs überwunden haben, geht es nach 56km mit 2150hm zum Abendessen und für eine kurze Schlafpause ins „Hashhouse“. (Wir haben vorab eine kurze Schlaf-Pause eingeplant, viele Teilnehmer verbringen aber wirklich 24 Stunden im Gelände ohne Pause!)   Nudeln mit Tomatensauce aus der Mikrowelle, einige Brötchen und dann ein Plätzchen im Schlafraum suchen. Nach 3 Stunden ertönt unser Wecker und Ferri fragt mich mit leiser Stimme: „Na willst weitermachen oder bleiben wir noch liegen?“ Na das muss man mich nicht zweimal fragen. Fünf Minuten später sitzen wir schon wieder beim Frühstück legen unsere Rucksäcke an und ab in die Dunkelheit für weitere 8 Stunden. Bis zum ersten Bergauf-Stück glaube ich doch tatsächlich ich hätte mich erholt. Doch das war wohl nichts, 12h in den Beinen spürt man halt dann doch. Da mir bei Temperaturen um bzw. knapp unter dem Gefrierpunkt trotz Bewegung einfach nicht warm wird, muss ich bald eine kurze Pause einlegen, um mir das Reserveshirt anzulegen. Kurz vor Sonnenaufgang um ca.8Uhr habe ich meinen absoluten Tiefpunkt. Ich will auf schnellstem Weg zurück ins Ziel. Ferri motiviert mich noch zu 2 weiteren Posten die sowieso am Heimweg liegen. Bis dorthin war auch mein Tief überwunden und wir können unsere geplante Route fortsetzen. An Laufen war eigentlich nicht mehr zu denken. Selbst kurze Versuche zeigen uns, dass Gehen auch nicht langsamer ist als Laufen ohne die Beine heben zu können. Ferri hat die Bergauf-Passagen lieber als die Bergabstücke, da die Oberschenkel da weniger schmerzen. So gegen 10 Uhr haben wir keine weitere passende Posten-Option und wir machen uns auf den Weg zum letzten Posten. Dieser ist leicht zu finden und nach einer weiteren Stunde „laufen“ wir ca. 23 Stunden nach dem Start wieder in La Llacuna am Hauptplatz ein. Unter dem Applaus der Veranstalter und einigen anderen Wettkämpfern markieren wir glücklich aber erschöpft den Zielposten.  Nach gesamt 81km und knapp 3000Hm erinnert dich jeder weitere Schritt zurück ins Wettkampfzentrum an die letzten 24 Stunden.

Beim Warten auf die Siegerehrung überkommt uns die Müdigkeit und ich schlafe am Tisch lehnend ein. Rechtzeitig zur Siegerehrung sind wir aber wieder wach und müssen mit Erstaunen feststellen wie fit die „Profis“ nach einem solchen Wettkampf noch sind – kleine Schritte ohne Beine zu heben machen aber alle. Wir liegen im Mittelfeld der Ergebnisliste, die Sieger kommen in vielen Kategorien aus Russland (bzw. ehemaligen Ländern der Sowjetunion) bzw. aus Spanien, wo Rogaining-Bewerbe und Extremläufe deutlich populärer als in Mitteleuropa sind.

Die Heimfahrt zurück nach Barcelona dauert dann doch etwas länger - wir müssen schon nach wenigen Kilometern eine Pause einlegen, um etwas Schlaf nachzuholen. Da uns aber noch etwas Zeit bis zum Rückflug bleibt, machen wir noch einen Abstecher zum Sandstrand nahe dem Flughafen. Bei Pizza und Cola lassen wir die letzten Stunden nochmals Revue passieren, zeichnen unsere Route ein, zählen Höhenmeter und messen die gelaufen Kilometer.

In den darauffolgenden Tagen wurde ich oft gefragt wie es war und ob ich wieder teilnehmen würde. Da es mir schon nach wenigen Tagen wieder erstaunlich gut ging steht einer erneuten Teilnahme nichts im Weg. Eventuell kann ich Ferri ja davon überzeugen nicht wieder 5 Jahre auf eine Teilnahme bei einem Rogaining-Event zu warten….

P.S. Danke an Ferri für die Unterstützung im Vorfeld und dass ich dieses „extreme“ Erlebnis mit dir erleben durfte.


Ergebnisse

Karte

Fotos

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